Über ein Jahr unterwegs

… und noch immer keine Lust mich nieder zu lassen.

Mein Leben ist überaus BUNT!

Ausrichtung meiner Reisezeit ist, jeden Ort und jede Beziehung etwas schöner und klarer zu hinterlassen. 
Meine Gastgeber können sich wünschen was ich tun soll und/oder wobei sie unterstützt werden möchten.  

Ich lebe bis zu zwei Wochen an einem Ort tauche ein  in unterschiedlichste Kontexte und Lebensentwürfe … Alleinstehende, Paare, Familie mit Kindern, … Häuser mit riesigem Grundstück, Wohnung im Hochaus, schicke Altbauwohnung in exklusiver Lage, Baustelle … verschiedenste Berufe und Tätigkeiten, Tagesabläufe, Essgewohnheiten …

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Kunst – eine Mission

Weil es so herrlich verrückt ist und weil ich sowieso mehr meditieren will,  bin ich vom 25.8. bis 4.9. im Rahmen der Wiesbadener Biennale  „Kunst“
“ … Kühlschränke, alte Möbel, ein großer Stoff-Teddy-Bär, aussortierte Habseligkeiten … dazwischen zwei merkwürdige, reglose Gestalten. Sie tun nichts. Sie schlafen nicht. Sie sprechen nicht. Sie sitzen nur. Und das 24 Stunden am Tag. … Thomas Hirschhorn entwirft mit seiner neuesten Arbeit Sperr ein temporäres Monument, ein Denkmal ohne Dauerhaftigkeit. Es ist eine prekäre Skulptur, für zehn Tage aufgebaut, belebt und danach wieder verschwunden. Ein subtiler Störfaktor des öffentlichen Lebens am Rande des Wiesbadener Westens, der die Mechanismen unserer Erinnerungskultur hinterfragt. …“
Vor einigen Wochen gab es ein Treffen mit dem Künstler. Anschließend war ich total inspiriert und nahm mir vor ab sofort jeden Sperrmüllhaufen als Kunst zu betrachten.
Die Aufgabe ist, zwei mal zwei Stunden am Tag möglichst Bewegungslos in dem Sperrmüllhaufen zu sitzen. Nicht kommunizieren nicht reagieren.
Heute bin ich nach Wiesbaden gereist und am Abend traf sich das Team an der Installation.
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Wieder bin ich beeindruckt von der mitreißenden Energie des Künstlers. Und meine Spannung steigt.
Der Faulbrunnenplatz ist sehr belebt. Bushaltestellen, Bänke, viele Menschen, einiges an Müll … Schon während des Aufbaus musste der Sperrmüll verteidigt werden. Wer etwas mitnehmen möchte wird gebeten alles stehen zu lassen, weil alles ein wichtiger Teil des Kunstwerkes ist. Alles kann am 4. September um 14:00 Uhr mitgenommen werden, wenn die Biennale vorbei ist.
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Unsere Mission ist da zu sein als Teil der Werkes.
Morgen beginnt es.

Mietshäuser Syndikat

Hier geht es um selbstorganisiertes Wohnen  und solidarisches Wirtschaften. Das Mietshäuser Syndikat ist eine in Deutschland einzigartige, kooperativ und nicht-kommerziell organisierte Beteiligungsgesellschaft, zum gemeinschaftlichen Erwerb von Häusern, die selbstorganisiert inGemeineigentum überführt werden, um langfristig bezahlbare Wohnungen und Raum für Initiativen zu schaffen.

Das Syndikat berät selbstorganisierte interessiert Hausprojekte, beteiligt sich an Projekten, damit diese dem Immobilienmarkt entzogen werden,  hilft mit Know How bei der Projektfinanzierung und initiiert neue Projekte.

Im Jahr 2016 war es an 105 Hausprojekten in Deutschland beteiligt, davon 13 in Freiburg, 21 in Berlin und Potsdam und 8 in Leipzig.

Fairphone

Ein Android-Smartphone der anderen Art.

Ziel des Unternehmens ist es, sowohl Handy-Nutzer als auch -Hersteller zum Umdenken zu bewegen und ein  Mobiltelefon zu entwickeln, das möglichst viele gute Beispiele für faire Produktion in sich vereint.

Es soll unter möglichst fairen Bedingungen hergestellt werden. Einige der in den Fairphones verbauten Metalle bzw. deren Rohstoffe, werden aus Minen bezogen, die nicht in die Finanzierung von Bürgerkriegen verwickelt sind (z.B. Zinn, Tantal, Wolfram oder Gold)

Es ist langlebig und kann einfach repariert werden.
Der Service ist prima.

Mehr dazu auf der Fairphone Seite.

 

The Artist is Present

Der Dokumentarfilm  über die große Abramovic-Retrospektive 2010 in New York ist unglaublich beeindruckend!

Während der Ausstellung setzte sie sich Marina Abramovic auf einen Stuhl und tat nichts anderes, als denen in die Augen zu schauen, die ihr gegenüber Platz nahmen. 90 Tage lang, sechs Tage in der Woche, immer sieben Stunden am Stück. Ohne Pause, ohne zu essen, zu trinken, zu sprechen. 750.000 Menschen besuchten die Ausstellung.
 Man sieht viele Gesichter von Menschen die ihr gegenüber saßen.
Meist erst skeptische Gesichter, mit denen dann schnell etwas Merkwürdiges passiert. Aus denen man plötzlich Angst liest, Glück, Trauer, Hoffnung. Und niemals Gleichgültigkeit.
Großartig!

Mein Freund Kees – gestorben mit 87 Jahren

Bild KeesMAZ

Foto M. Greulich MAZ

 

 

Er wollte 100 Jahre werden, weil er so neugierig war darauf wie es weitergeht …

Wir kannten uns wohl 10 Jahren. Haben uns im Rahmen des Projektes „ Ankommen, weggehen, dableiben – Migration im hohen Fläming“, kennengelernt. Damals warst du noch Ausländerbeauftragter des Landkreises Potsdam Mittelmark.

Wir sind uns immer wieder über den Weg gelaufen und haben uns auch das eine oder andere Mal verabredet.

Ich war schwer beeindruckt davon das ein Mann um die 80 so lebendig und attraktiv sein kann.

Du

… hattest 6 Kinder mit zwei Frauen und viele Enkel und Urenkel.

… warst hast unter anderem eine  Futtermittelfabrik geleitet und warst Berater der niederländischen Regierung, warst in vielen Ländern unterwegs, sprachst Niederländisch, Deutsch, Französisch und Englisch.

… hast  Ende der 80-er entschieden dein Leben als Geschäftsmann aufzugeben und bist in die DDR eingewandert, weil du keine Lust mehr auf Kapitalismus hattest. Und weil du in Lehnin eine neue Liebe gefunden hast.

… konntest spinnen, weben sticken und stricken.

… hast nie akzeptiert, dass wir Europäer im Überfluss leben auf Kosten anderer, dass Wohlstand, Chancen und Rechte global so ungerecht verteilt sind.

… hast gerne provoziert und konntest unheimlich stur und nervig sein.

… warst so offen und immer interessiert an Menschen.

5 Jahre lebten wir als Nachbarn in Schmerwitz und unsere Freundschaft war innig und wesentlich.

Unzählige Abende haben wir geredet und Wein getrunken …

Für mich hast du die Welt ins Dorf gebracht. Immer wieder hast du den globalen Blick in Themen eingebracht, … deine Liebe zu Afrika, … dein Engagement in der Region, …

Was bleibt

… ist das Wissen, das Menschen auch im hohen Alter wach, vielseitig interessierter und voller Elan und Schaffenskraft sein können.

… ist meine Dankbarkeit für unsere Freundschaft

… sind viele Erinnerungen die ich in meinem Herzen trage.

Und die roten Socken, die du mir letzten Winter gestrickt hast…

Glück ist messbar

… doch wirklich!

Ich lernte das von einem Amerikaner den ich in Wien traf. Wir waren bei eine Konferenz, es war unglaublich heiß und die Klimaanlage funktionierte nicht …

Wir verabredeten uns zum schwimmen gehen.
Im Zuge dessen erklärte er mir, das eine seiner Masseinheit für Glück ist, an wie vielen verschiedenen Orten er in einem Jahr schwimmen gegangen ist.

Genial oder?!

Ich brauche mir nur zu überlegen was mich glücklich macht und das gönne ich mir dann so oft wie möglich.

Bei mir ist das zum Beispiel: barfuß laufen, Katzen streicheln, tiefe Gespräche, umarmt werden, ohne Wecker wach werden, lernen, Ordnung machen, …

Platzbedarf – wieviel Raum brauche ich wirklich?

In Ungarn war ich beeindruckt davon, dass eine vier-köpfige Familie  (2 Erwachsene und zwei Kinder (3 und 1,5 Jahre) in einer 32 Quadratmeter Wohnung im 3. Stock wohnte.

Meine letzte Wohnung, in der ich alleine lebte hatte 63 Quadratmeter!

Jetzt denke ich darüber nach, wieviel Platz ich brauche, bzw. meine zu brauchen.

Habe ein bißchen recherchieret:
In verschiedenen Regionen und Kulturen gehen die Vorstellungen vom individuellen Raumbedarf weit auseinander. Wo Großfamilien noch eine wichtige Rolle spielen, werden ein enges Zusammenleben und eine hohe Belegungsdichte der Räume eher akzeptiert als in Ländern mit einem individualistischen Lebensstil, Kleinfamilien und vielen Single-Haushalten.

Als überbelegt gilt eine Wohnung, die mit mehr als 3 Personen pro Raum belegt ist.

In den Entwicklungs- und Schwellenländern müssen viele Familien mit einem Raum auskommen. Bei der Bemessung eines „ausreichenden“ Wohnraums spielt natürlich auch das Klima eine wichtige Rolle, weil in den Tropen und Subtropen viele Aktivitäten draußen stattfinden.

In Deutschland stehen jeder Person aktuell durchschnittlich 45 Quadratmeter zur Verfügung, Tendenz steigend! Das liegt natürlich auch an der Zunahme der Ein- und Zweipersonenhaushalte. …

Schon krass, die Unterschiede und die „Selbstverständlichkeiten“ in denen Menschen leben!

In Bezug auf einfaches Leben und Minimalismus gilt:
Je weniger Raum, desto weniger Aufwand für´s Putzen und instand halten. Je weniger Raum desto geringer der Energieeinsatz für Heizung, Putzen, Instand halten, … und , auch wesentlich, je weniger Raum desto weniger Zeug kann sich ansammeln.

Ich genieße es Raum um mich zu haben und ich mag große, helle, klare Räume. Auch mit wenig Platz kann ich mich wohlfühlen. Wesentlich scheint mein innerer Raum zu sein. Wenn ich zentriert bin und in mir ruhe brauche ich nicht so viel Raum um mich.

Tiefenentspannt – wie gut, mal nichts zu verstehen!

Bisher habe ich es immer vermieden in Ländern zu sein, wo ich die Sprache garnicht verstehe. Jetzt war vier Wochen in Ungarn und habe eine wesentliche Erfahrung gemacht.

Ungarisch ist eine Sprache die mir komplett fremd ist . Da hilft kein Deutsch, Englisch oder Französisch … Am Anfang war mein System gestresst, durch die Bemühung doch zu verstehen was gesprochen wird. Auch bei geschriebenem versuchte mein Kopf automatisch Verbindung und Verständnis herzustellen …

In meinen letzten Ungarn-Wochen habe ich dann bemerkt, das ich ungewöhnlich entspannt bin. So ganz bei mir.

Ich kenne mich als eher empfindlich was Lärm angeht. In Budapest war es fast überall laut, in der Wohnung hörte ich die Nachbarn, draußen Großstadtverkehr und die Angewohnheit der Ungarn eher laut und viel zu reden … Ich fühlte mich garnicht gestört oder angestrengt durch den Lärm.

Als in einem Restaurant eine Gruppe Deutscher am Nachbartisch saß und ich jedes Wort verstand,dass gesprochen wurde,habe ich bemerkt das ich nicht weghören konnte, obwohl mich die Gespräche nicht die Bohne interessierten.

Ich verstand, dass meine große Entspannung dadurch erzeugt wurde, dass ich eben nichts verstand.

Ich kann meine Ohren nicht verschießen und wo immer Informationen und Werbebotschaften geschrieben stehen die ich verstehe kann, nehme ich die auf.

Natürlich ist die Aufmerksamkeit und Energie eines Menschen immer zum Teil mit dem Beschäftigt was drumrum vorgeht. Aber die Erkenntnis, WIE GUT es mir tut, diesen Teil zu reduzieren war erstaunlich.

Wieder in Deutschland bemerkte ich anfangs noch deutlich wie viel mehr Informationen auf mich einstürmten. Wie viel ich permanent höre, sehe und aufnehme ohne eine Wahl zu haben!

Ich habe ein neues Verständnis gewonnen für mein Bedürfnis nach Stille und alleine sein …

Und ich habe Lust darauf mich mehr in Ländern aufzuhalten wo ich nichts verstehe (-;