Alle Beiträge von dorothee

Weisheit des Spiegels

1.  Spiegelgesetz

Alles, was mich am anderen stört, aufregt, in Wut geraten lässt und was ich anders haben will, habe ich selbst in mir.

Alles, was ich am anderen kritisiere und bekämpfe oder verändern will, kritisiere und bekämpfe oder unterdrücke ich in Wahrheit in mir und hätte es gern anders.

2. Spiegelgesetz

Alles, was der andere an mir kritisiert, bekämpft und verändern will, betrifft, sofern er mich verletzt, mich selbst, da dies in mir noch nicht erlöst und mein Ego beleidigt ist.

3. Spiegelgesetz

Alles, was der andere an mir kritisiert, bekämpft, mir vorwirft und anders haben will, ist – sofern dies mich nicht berührt oder nicht verunsichert und nicht an mir selbst zweifeln lässt – sein eigenes Bild, sein eigener Charakter, seine Unzulänglichkeit, die er auf mich projiziert.

4. Spiegelgesetz

Alles, was mir am anderen gefällt, was ich an ihm liebe, bin ich selbst, habe ich selbst in mir und liebe dies im anderen.

Ich erkenne mich selbst im anderen, wir sind in diesem Punkt eins.

Stuart Wilde

Wenn ich wüsste

Wenn ich wüsste, dass es das letzte Mal ist,
dass ich Dich einschlafen sehe,
würde ich Dich besser zudecken
und zu Gott beten, er möge Deine Seele schützen.

Wenn ich wüsste, dass es das letzte Mal ist,
dass ich Dich zur Türe rausgehen sehe,
würde ich Dich umarmen und küssen
und Dich für einen weiteren Kuss zurückrufen.

Wenn ich wüsste, dass es das letzte Mal ist,
dass ich Deine Stimme höre,
ich würde jede Geste und jedes Wort auf Video aufzeichnen,
damit ich sie Tag für Tag wiedersehen könnte.

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Wirst du bei mir sein?

Wirst du bei mir sein am kalten Morgen des Sterbens?
Wenn das Feuer in mir erlischt und nichts mein Blut wärmt,
kannst du mich dann mit den Augen einer Mutter beobachten?

Wenn die Kerze abgebrannt ist und die Freunde fort sind?
Kannst du einfach da sein
und keinen weiteren Atemzug von mir wünschen?

Und wenn meine Augen geschlossen sind,
froh über die lange stille Ruhe,
wirst du dann weiter still mit mir reisen?

Während ich diese Tür hinter mir schließe
und mich in das offenen Herz des Todes öffne,
ruft mich jenes süße Liebeslied, das mich in die Geburt rief,
nun in den sicheren Schoß der Erde zurück.

Phyllida Anam-Aire (ursprünglisch gälisch)
aus: „Das Keltische Totenbuch“

Die Liebe und der Wahnsinn

Es wird erzählt, dass alle Gefühle und Qualitäten des Menschen einmal ein Treffen hatten.

Als die Langeweile zum dritten Mal gähnte, schlug der Wahnsinn vor: „Lasst uns Verstecken spielen.“

Die Intrige hob die Augenbraue und die Neugierde fragte: „Verstecken, was ist denn das?“

„Das ist ein Spiel.“ sagte der Wahnsinn. „Ich schließe meine Augen und zähle von 1 bis 1.000. Inzwischen versteckt Ihr Euch. Wenn ich das Zählen beendet habe, wird der Letzte, den ich finde, meinen Platz einnehmen, um das Spiel fortzusetzen.“

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Dies Menschsein ist ein Gästehaus

An jedem Morgen eine neue Ankunft.
Eine Freude,
eine Melancholie,
eine Niedertracht,
ein kurzes Gewahrsein
… kommen als unerwarteter Besuch.

Heiß´ sie willkommen und nimm alle auf!

Und seien sie auch eine Horde von Sorgen,
die mit Gewalt das Haus durchfegen,
der Einrichtung berauben,
auch dann,  geh´redlich mit jedem Gast um.
Vielleicht räumt er dich frei für eine neue Wonne.

Den dunklen Gedanken,
die Scham,
die Tücke,
begrüße sie an der Türe, lachend,
und bitte sie herein.

Sei dankbar für jeden, der kommt, weil jeder geschickt ist, als ein Wegweiser von jenseits.

Rumi

Selbstliebe

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und das alles, was geschieht richtig ist. Von da an konnte ich ruhig sein.

Heute weiß ich, das nennt sich „SELBSTACHTUNG“.

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.

Heute weiß ich, das nennt man „AUTHENTISCH-SEIN“.

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Tiefsinnig

…  Tiefsinnig ist jemand in dem Augenblick, in dem er seine symbolische Ausdrucksfähigkeit tief in der sinnlichen Erfahrung der Welt verwurzelt. Verwenden wir einen Baum als Bild, um das Verhältnis von symbolischem Ausdruck (z. B. in Form von Sprache) und Erfahrung zu beschreiben, so entspricht ein tiefsinniger Geist einem hohen Baum mit einer vielfach verästelten Krone, deren Blätter einzelne Konzepte und Ideen repräsentieren, die alle ihren Lebenssaft aus ihrer Verbindung mit den Wurzeln dieses Baumes ziehen, die tief in den Strom des Gegebenen (d.h. in einem gegebenem Augenblick Erfahrbaren) hineinreichen, wobei die Wurzeln seine Sinne repräsentieren, mit denen er den Strom des Gegebenen sinnlich erfährt. Das Potential zu Tiefsinn wächst also um so mehr, je weniger jemand sich scheut, tief in die Erfahrung einzutauchen. Geistige Tätigkeit und sinnliches Erleben werden nicht als einander ausschliessende Gegensätze verstanden, sondern einander bedingende Größen: Je tiefer die Wurzeln eines Baumes reichen, desto höher kann er wachsen. …

Charles W. Morris

Was heißt Sterben?

Ich stehe an einem Ufer.
Eine Brigg segelt in der Morgenbrise
und steuert aufs offene Meer.
Das ist ein herrlicher Anblick, und ich
stehe da und sehe ihr nach, bis sie
zuletzt am Horizont verschwindet.

Jemand neben mir sagt:
„Jetzt ist sie nicht mehr da.“
Nicht da! Wo dann?
Nicht da für meine Augen – das ist alles.
Die Ferne und das „Nicht-da-Sein“
sind auf meiner, nicht auf ihrer Seite.
Und gerade in dem Moment, da hier,
neben mir, einer sagt:
„Jetzt ist sie nicht mehr da“
gibt es andere, die sie kommen sehen,
und andere Stimmen rufen freudig aus:
„Da ist sie!“
Und das heißt Sterben.