Archiv der Kategorie: Texte, Gedichte und Gebete

Texte, Gedichte und Gebete:
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dieses Glück

Ich bin heute morgen aufgestanden, habe Wasser aus der Leitung in ein Glas laufen lassen und es getrunken. Einfach so.

Dann habe ich mir ein Brötchen geholt. Während ich das tat, ist neben mir kein Haus explodiert. 

Auf dem Weg zurück wurde ich weder für meine Hautfarbe oder meine Sexualität bedrängt oder ermordet.

Ich sitze in einer Wohnung, die selbst bei Regen trocken bleiben würde und besitze einen Computer inklusive Internet-Zugang, mit dem ich Zugriff auf nahezu das gesamte Wissen der Menschheit habe, während ich mein Brötchen esse. Und eventuell hole ich mir gleich noch ein Glas Wasser. Ob ich es trinke oder einfach stehen lasse … mal sehen. Kommt nicht drauf an.

Um in dieser Situation zu sein, musste ich nicht die Menschen zurück lassen, die ich liebe. Und ich musste auch nicht mein Leben dafür aufs Spiel setzen oder mich einer erniedrigenden Prozedur unterziehen lassen. Das war einfach so. 

Wenn ihr in einer ähnlichen Situation seid wie ich, gehört ihr zu den reichsten Menschen der Welt. Und es tut gut, sich dieses Glück hin und wieder vor Augen zu führen.

Zum Beispiel, bevor man einen wütenden Facebook-Kommentar schreibt. Oder etwas anzündet. 

Ich wünsche euch einen schönen Tag!

von Ralph Ruthe

Jage die Ängste fort

Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
geht es um dich oder ihn.
Dein eignen Schatten nimm
zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruss mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiss deine Pläne. Sei klug
und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.

Mascha Kaleko

Ninas Traum

Einst, als die Erde noch jung und nur Wüste war, war ich mir meiner nicht bewußt. Ich saß im Sand, doch ich erkannte mich selbst nicht. Ich war ein Körper ebenso wie die Abermillionen anderen Sandkörner.

Die Zeit verging und plötzlich bemerkte ich etwas Grünes, ganz Zartes, dass zwischen den Sandkörnern hervorlugte. Meine Neugier über dieses Wunder erwachte und so erkannte ich, dass ich anders war. Kein Sandkorn und auch nicht die grüne zarte Pflanze, die sich ihren Weg durch den Boden bahnte. Ich wunderte mich und beobachtete, wie die Pflanze wuchs und war ganz in mir.

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Jeder Mensch ist ein Künstler

Lass Dich fallen.
Lerne Schlangen zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die „ja“ sagen
und verteile sie überall in Deinem Haus.

Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue Dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen,
schaukle so hoch Du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.

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