Vom Tod

Ihr möchtet wissen um das Geheimnis des Todes.
Doch wie sollt ihr es entdecken,
so ihr nicht danach forschet im Herzen des Lebens?

So ihr wahrhaftig den Geist des Todes erschauen wollt,
öffnet weit euer Herz dem Leib des Lebens.
Denn Leben und Tod sind eins,
so wie Fluss und Meer eins sind.

Und was bedeutet Sterben anderes
als nackt im Wind zu stehen und in der Sonne zu zerfließen?
Und was bedeutet das Stocken des Atems anderes
als dessen Befreiung aus den rastlosen Fluten,
auf dass er sich erhebe und entfalte und Gott suche unbeschwert?

Erst so ihr trinket aus dem Fluss des Schweigens,
werdet ihr wahrhaft singen.
Und erst, so ihr den Gipfel des Berges erklommen,
werdet ihr wahrhaft anfangen zu steigen.
Und erst, so die Erde ihren Anspruch erhebt auf Eure Gliedmaßen,
werdet ihr wahrhaft tanzen.

Kahlil Gibran

Ein Gedanke zu „Vom Tod“

  1. Liebe Dorothee, danke für die Abbildung dieses wunderschönen Gedichtes. Ich bin in Trauer um meinen verstorbenen besten besten Freund und werde es in ein Erinnerungsbuch heften. Jürgen, mein Freund war Tänzer von Beruf, da passt gerade der letzte Satz. Ich fände es schön, wenn jeder Trauergast etwas derartiges und natürlich persönliche Erinnerungen hineintut.

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