Schlussstrich

In einer langen Winternacht
hat er sich endlich umgebracht.

Er wollte es schon ziemlich lange,
doch war ihm vor dem Hängen bange,
denn manchmal zwickt der Galgenstrick
den Delinquenten im Genick.

Und will er gar vom Hochhaus springen,
muss er den Schwindel erst bezwingen,
der ihn bei großen Höh‘n ergreift.

Schon ist ein neuer Plan gereift.

Bringt er sich um mit Auspuffgasen,
die kräftig aus dem Auto blasen,
dann zahlt er noch – der Sprit ist teuer –
im Sterben kräftig an die Steuer.

Das Leben kann ihn drehn und wenden,
doch ist‘s nicht einfach zu beenden,
wenn dann vor jeder Art zu gehen
die eignen Gegenängstge stehen.

Ob Kugel, Messer oder Pillen,
die Todessehnsucht endlich stillen,
der letzte Schritt fällt oftmals schwer,
denn danach kommt nichts Neues mehr.

Er hat die Lösung für‘s Problem
in der TV – Zeitschrift gesehn
und schaut sich zwanzig Folgen lang
Monty Pythons Circus an.

Dabei hat er sich totgelacht,
das hat sogar noch Spaß gemacht.

So fand er neuen Lebensmut
und denkt bei sich: es geht mir gut!

Helmut Engel

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