Schlagwortarchiv: Abschied

Der Tod und der Gänsehirt

Einmal kam der Tod über den Fluss wo die Welt beginnt. Dort lebte ein armer Hirt, der eine Herde weißer Gänse hütete.

„Du weißt wer ich bin Kamerad?“ fragte der Tod.
„Ich weiß, du bist der Tod. Ich habe dich auf der anderen Seite hinter dem Fluß oft gesehen.“
„Du weißt das ich hier bin, um dich zu holen und dich mitzunehmen auf die andere Seite des Flusses.“
“ Ich weiß, aber das wird noch lange sein.“
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… vor einem Jahr

… starb meine Mutter.

Die letzten Tage sind wieder voller Erinnerung und sehr intensiv .
Die letzte Zeit mit ihr, das letzte Gespräch, das Ende, Abschied, …
Gespräche mit Verwandten, viel zu organisieren, … die Beerdigung, …
Als ich wieder zuhause war wurde ich krank und wollte am liebsten selber sterben …

Ein ganzes Jahr!
Das hört sich so viel an und ist doch gefühlt nur ein Augenblick.

Habe Postkarten und Briefe noch einmal gelesen und dann verbrannt.
An Ihrem Todestag war ich am Grab.

Ich lebe mein Leben, bin erwachsen und eigenständig
und ich habe wenig Energie, bin gefühlig und irgendwie lost …

Ich lese über das „Trauermodell nach Smeding“
Sie beschreibt Gezeiten der Trauer. Demnach befinde ich mich in der „Labyrinthzeit“ ich kann bestätigen, dass die Gezeiten der Trauer nicht berechenbar sind und spiralförmig stetig wiederkehren können. Die Trauer  um den verstorbenen geliebten Menschen ist nie zu Ende.

„Ein Rauch verweht, ein Wasser verrinnt,
eine Zeit vergeht, …

Siege und Niederlagen feiern

… ist mein Motto während meiner heiligen Pause von Wintersonnenwende bis zum 6. Januar.

Genussvoll nehme ich mir Zeit, jede Ecke meiner Wohnung aufzuräumen, auszumisten und zu putzen.
Jeden Nachmittag schenke ich mir 3 Stunden in Stille zum Denken, Schreiben, Malen, Träumen, …

Die Zeit zwischen den Jahren ist für mich die Beste um Rückschau zu halten. Siege und Niederlagen feiern weiterlesen

Vom Lieben und Sterben – Konflikte, Nöte und Hoffnungen Angehöriger

von Barbara Dobrick
Erleichternd und wohltuend räumt das Buch mit den Beschönigungen des Sterbens auf. Es „erhellt die dunklen Seiten des Abschieds“. Beispielsweise wird die Wirkung, die katastrophale Diagnosen im Beziehungsgeflecht nach sich ziehen können ehrlich beschrieben.
Super wertvoll!
ISBN 978-3-7831-3497-1

Das andere Totenbuch

von Wulf Mirko Weinreich
Da ich es nie geschafft habe, das Tibetische Totenbuch zu lesen, bin ich Herrn Weinreich sehr dankbar für das Büchlein in dem er „die wichtigsten Stationen des `Bardo Thödol`in westliche Sprach- und Vorstellungswelten übertragen hat“. Praktisch zur Sterbebegleitung weit über den letzten Atemzug hinaus, und zur Meditation.
ISBN 978-3-8391-0645-7

Abschied

Meine Mutter ist gestorben… Ich bin dankbar für die Zeit, die Nähe und Liebe die wir geteilt haben. Auch in den letzten Tagen ihres Lebens war ich bei ihr, … sie brauchte nur einige Tage volle Pflege und starb leicht und schmerzfrei …

…  „Meine Mutter hat mich ins Leben begleitet. Ich begleitete sie hinaus. So ist es, spricht die Liebe.“ …

… lange erwartet und doch plötzlich. … jetzt bin ich „Vollwaise“ … Mutterseelenallein …
bin traurig, leer und orientierungslos … nehme mir Zeit und Raum zum Trauern …

… Angesichts von Sterben und Tod, ist es absurd womit wir unser Leben füllen. …

„Nie erfahren wir unser Leben stärker
 als in großer Liebe
und in großer Trauer.

“
R.M. Rilke

Wirst du bei mir sein?

Wirst du bei mir sein am kalten Morgen des Sterbens?
Wenn das Feuer in mir erlischt und nichts mein Blut wärmt,
kannst du mich dann mit den Augen einer Mutter beobachten?

Wenn die Kerze abgebrannt ist und die Freunde fort sind?
Kannst du einfach da sein
und keinen weiteren Atemzug von mir wünschen?

Und wenn meine Augen geschlossen sind,
froh über die lange stille Ruhe,
wirst du dann weiter still mit mir reisen?

Während ich diese Tür hinter mir schließe
und mich in das offenen Herz des Todes öffne,
ruft mich jenes süße Liebeslied, das mich in die Geburt rief,
nun in den sicheren Schoß der Erde zurück.

Phyllida Anam-Aire (ursprünglisch gälisch)
aus: „Das Keltische Totenbuch“

Was heißt Sterben?

Ich stehe an einem Ufer.
Eine Brigg segelt in der Morgenbrise
und steuert aufs offene Meer.
Das ist ein herrlicher Anblick, und ich
stehe da und sehe ihr nach, bis sie
zuletzt am Horizont verschwindet.

Jemand neben mir sagt:
„Jetzt ist sie nicht mehr da.“
Nicht da! Wo dann?
Nicht da für meine Augen – das ist alles.
Die Ferne und das „Nicht-da-Sein“
sind auf meiner, nicht auf ihrer Seite.
Und gerade in dem Moment, da hier,
neben mir, einer sagt:
„Jetzt ist sie nicht mehr da“
gibt es andere, die sie kommen sehen,
und andere Stimmen rufen freudig aus:
„Da ist sie!“
Und das heißt Sterben.